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Eintrag in der Universitätsbibliographie der TU Chemnitz


Herrmann, Sandra

Bedarfsanalyse zur Hautkrebsprävention in sächsischen Kindertageseinrichtungen

demand on skin cancer prevention in preschool in saxony


Kurzfassung in deutsch

Hintergrund
In den letzten Jahrzehnten hat die Bedeutung des Hautkrebses in der Bevölkerung stark zugenommen. Mit zunehmender Inzidenzrate zählt Hautkrebs zu den weltweit am häufigsten auftretenden Krebsarten. In Deutschland erkrankten 2013 über 260.000 Menschen neu an Hautkrebs – davon etwa 26.000 Menschen am malignen Melanom und 234.000 an nicht-melanozytären Hauttumoren. Expositionelle Hauptrisikofaktoren sind eine übermäßige Belastung durch ultraviolette Strahlung und Sonnenbrände, v. a. im Kindes- und Jugendalter. Zur Verringerung der Erkrankungswahrscheinlichkeit werden in dem Leit-linienprogramm Onkologie „S3-Prävention von Hautkrebs“ konkrete Primärpräventionsmaßnahmen vorgeschlagen, welche in Bezug auf das Setting „Kindertageseinrichtungen“ in der hier vorliegenden Arbeit aufgegriffen werden. Es handelt sich dabei vor allem um Empfehlungen zum Sonnenschutz, wie das Aufsuchen von Schattenplätzen, insbesondere in der Zeit von 11 bis 16 Uhr in den Monaten April bis September, das Tragen von Sonnenschutzkleidung und -brillen sowie das Verwenden von Sonnenschutzmitteln.
Fragestellung
Das Ziel der vorliegenden Studie ist, die verhaltens- und verhältnispräventiven Maßnah-men zur Reduktion der UV-Strahlenexposition in sächsischen Kindertagesstätten unter Berücksichtigung grundstruktureller Einflussfaktoren (z. B. Trägerschaft, Personalschlüs-sel, Einzugsgebiet, Einrichtungsart und -größe) aufzuzeigen, um den Hautkrebspräventionsbedarf abschätzen und mögliche Handlungsempfehlungen sowohl für Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Kindertagesstättenleitungen und übergeordneten Instanzen geben zu können.
Methode
Bei der hier vorliegenden empirischen Untersuchung handelt es sich um eine quantitative Ist-Analyse, bei der die Datenerhebung in Form einer selbstadministrierten Online-Befragung stattfand. Die Bedarfsermittlung wurde zu einem Messzeitpunkt durchgeführt und beinhaltet retrospektive Untersuchungseinheiten zum Thema Sonnenschutz. Es handelt sich dabei um eine einfache probabilistische Stichprobe, die sich mit einer akzeptablen Ausschöpfungsquote (24,5 %) aus 526 der 2145 für die Studie zugänglichen sächsischen Kindertagesstätten zusammensetzt. Neben den strukturellen Merkmalen der Kindertageseinrichtungen wurden die Verwendung von Sonnenschutzutensilien sowie das Vorhandensein technischer und die Ausführung organisatorischer Sonnenschutzmaßnahmen als Indikatoren dermatoonkologischer Verhaltens- und Verhältnisprävention erfragt. Die Datenanalyse erfolgte sowohl deskriptiv in Form von Häufigkeitsanalysen als auch inferenzstatistisch über das Aufzeigen kausaler Zusammenhänge mit Hilfe des Kruskal-Wallis-Tests.
Ergebnisse
Anhand der Angaben konnte bei 82,1 % der befragten sächsischen Kindertagesstätten eine geeignete Sonnenschutzstrategie beobachtet werden. Demnach besteht bei 17,9 % der untersuchten Kindertageseinrichtungen ein Bedarf an Hautkrebsprävention. Die Mehr-heit der Einrichtungen gab an, auf einen Schutz der Kinder durch Sonnenhut (97,7 %), Sonnencreme (93,5 %) und Kleidung (91,6 %) zu achten. Die Verwendung von Sonnenbrillen wurde jedoch nur von den wenigsten Kindertagesstätten (10,7 %) als Sonnenschutzmaßnahme angegeben. Im Durchschnitt gab fast die Hälfte der befragten Einrich-tungen (48,6 %) an, dass sich die zu betreuenden Kinder zwischen 11 und 15 Uhr im Freien aufhalten, obwohl fast 34 % der Kindertagesstätten die Beschattung der Freifläche als unzureichend beschreiben und nur 31,2 % der Einrichtungen angeben haben, die Sonnenmonate April bis September für die Ausführung verhaltenspräventiver Sonnenschutzmaßnahmen zu berücksichtigen. Eine sich daraus ergebende Optimierung derma-toonkologischer Primärpräventionsmaßnahmen im Setting „Kindertageseinrichtung“ wird zudem durch die Kindertagesstätten selbst bestätigt, die sich zum größten Teil für einen Handlungsbedarf zum Thema Sonnenschutz aussprechen (95,1 %). Vor allem betonen sie dabei die Forderung nach mehr Mitwirkung der Eltern und Trägerschaft, da laut Angaben in fast 43 % der befragten Einrichtungen weniger als die Hälfte der Kindergartenkinder in den Sommermonaten mit Sonnenschutzmittel eingecremt in die Betreuung gebracht werden und 60 % der Einrichtungen keine Möglichkeiten haben, entsprechend ausreichende Sonnenschutzmittel selbst zu finanzieren. Eine besondere Berücksichtigung bei der Verbesserung verhältnispräventiver Sonnenschutzmaßnahmen zeigt sich in Bezug auf kleine und mittelgroße Einrichtungen, Wald- und Bauernhofkindertagesstätten sowie Einrichtungen, die von Betrieben getragen werden (p < 0.05).
Schlussfolgerungen
Die vorliegende Bedarfserhebung zeigt sich als repräsentative Studie. Den Ergebnissen zu Folge, ist es durchaus empfehlenswert sächsischen Kindertagesstätten Handlungsmöglichkeiten für eine noch geeignetere Hautkrebsprävention aufzuzeigen. Sächsischen Kindertagesstätten kann eine Optimierung hinsichtlich der Beschattungssituation, der Planung von Außenaktivitäten und der Verwendung von Sonnenschutzbrillen sowie der Beschaffung entsprechender Sonnenschutzmittel vorgeschlagen werden. Eine Mitwirkung der Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Einrichtungsleitungen, Trägerschaften und übergeordnete Instanzen würde sich zur Unterstützung der Vermeidung übermäßiger Exposition ultravioletter Strahlung und adäquater Verhinderung von Sonnenbränden an-bieten, um vor allem bei Kindergartenkindern das Risiko reduzieren zu können, später an einem malignen Melanom oder nicht-melanozytären Hautkrebs zu erkranken.

Kurzfassung in englisch

Background
During the last decade the importance of skin cancer gain in importance in the public´s view. As the incidence rate increases, the malignant skin neoplasms are among the most frequently occurring cancer types worldwide. In Germany, over 260,000 people newly diagnosed skin cancer in 2013 - about 26,000 people of malignant melanoma and 234,000 of non-melanocytic skin tumors.
The main risk factors are excessive exposure of ultraviolet radiation, as well as sunburn. It is suggested that the exposure to UV during childhood and adolescence elevates an individual's lifetime risk of developing skin cancer stronger than the exposure during adulthood.
The German Oncology Guideline on prevention of skin cancer (2014) comprises the primary prevention measures to reduce the risk of dermato-oncological diseases, which will be adressed in the context of "children's day-care centers" in this paper. Particular recommendationsfor sun protection include avoiding being in the sun from 11 am to 4 pm in the months of April to September, wearing sun protection clothing, sunglasses, and sunscreen.
Objectives
The aim of the present study is to evaluate the behavioral and situational sun protection measures in Saxon kindergartens, taking into account basic structural factors (like sponsorship, personnel key, entry area, type and size of center), in order to assess the need for skin cancer prevention, as well as possible recommendations for parents, educators, day-care centers, and higher authorities.
Methods
The present empirical investigation is a quantitative situation analysis. Data were collected through a self-administered online survey. The survey was carried out within a specific time of measurement and it included a retrospective research on the subject of sun protection. This was a simple probabilistic sample, composed of 526 of the 2145 day-care centers (96 % of the population) available for the study, with an acceptable response rate (24.5 %).
In addition to the structural conditions of the kindergartens, questions were posed about the use of sun protection means and the implementation of technical and organizational sun protection measures, as indicators of the dermato-oncological behavioral and preventive ratio. The data analysis was descriptive, using frequency analysis as well as inferential-statistics, demonstrating causal relations by applying the Kruskal-Wallis test.
Results
Based on these data, a suitable sun protection strategy was observed in 82.1 % of the Saxonian child day care centers surveyed. According to this, there is a need for skin cancer prevention in 17.9 % of the investigated children's day-care centers. The majority of the institutions indicated that children should be protected by wearing a sun hat (97.7 %), sun cream (93.5 %) and appropriate clothing (91.6 %). The use of sunglasses, however, was only indicated by a few children's day centers (10.7 %) as a sun protection measure. Almost half of the interviewees surveyed (48.6 %) stated that the children to be supervised played outside from 11 am to 3 pm, although almost 34 % of the children's day-care centers described the play area offers insufficient shade. Further, only 31.2 % of the kindergartens take into account the months of April to September for the implement-tation of behavioral sun protection measures.
The resulting need for optimization of dermato-oncological primary prevention measures in the context of "children's day-care centers" is confirmed especially by the children's day-care centers themselves, as most of them call for a need for action regarding an appropriate sun protection (95.1 %). Above all, they emphasize the need for more parental contribution and sponsors, as in almost 43 % of the institutions interviewed, less than half of the nursery children are protected against the sun during the summer months, and 60 % of the kindergartens have no possibilities to adequately finance appropriate sun protection products. Special attention is paid to the improvement of preventive sun protection measures in relation to small and medium-sized establishments, forestry- and farm nursery, as well as kindergartens supported by companies (p < 0.05).
Conclusion
The current needs assessment is a representative study. The study provides detailed population-based data on the current practice of sun protective guidance of preschoolers in Saxony. As the results show, it is highly recommendable to demonstrate possibilities of action for an even more appropriate prevention of skin cancer to Saxon kindergartens. The Saxon day-care centers participating in the study received recommendations on the optimization regarding the shading situation, the planning of outdoor activities, and the use of sunglasses, as well as the procurement of appropriate sunscreens. Parents, educators, instructors, and public health campaigns could help avoiding the excessive exposure to ultraviolet radiation and enable an adequate prevention of sunburn to reduce the risk, especially for preschoolers, of malignant melanoma or non-melanocytic skin cancer that may arise later in life.

Universität: Technische Universität Chemnitz
Institut: Professur Soziologie mit dem Schwerpunkt Gesundheitsforschung
Fakultät: Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften
Dokumentart: Dissertation
Betreuer: Berth, Hendrik
URL/URN: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa-227526
Quelle: 2017. - 140 S. - Dissertation an der Technischen Universität Dresden, Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus, Professur Psychosoziale Medizin und Entwicklungsneurowissenschaften
SWD-Schlagwörter: Sachsen , Kindertagesstätte , Vorschuldkind , Hautkrebs , Krebs , Prävention , Bedarfsermittlung
Freie Schlagwörter (Deutsch): Hautkrebs , Prävention , Kinder , Gesundheit , Sonnenschutz
Freie Schlagwörter (Englisch): Hautkrebs , Sonnenschutz , Kindertageseinrichtung , Primärprävention , melanom
Tag der mündlichen Prüfung 09.08.2017

 

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