Augenphysiologische Reaktion auf Schreck – Perspektive für den Arbeitsschutz durch Eye-Tracking

  • Janine Held Technische Universität Chemnitz, Deutschland
  • Sebastian Walther Institut für Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau, Chemnitz, Deutschland
Schlagworte: Pupillometrie, Eye-Tracking, Augenphysiologie, Schreckreaktion

Abstract

Eye-Tracking und Pupillometrie bieten einen umfangreichen Einblick in Wahrnehmung und Erleben von Personen in verschiedensten Kontexten. So lassen sich aus den Pupillen- und Blickbewegungsdaten beispielsweise Informationen über Aufmerksamkeitsprozesse, visuelle Suchmechanismen, kognitive Beanspruchung oder Erregung gewinnen. Da augenphysiologische Reaktionen sehr anfällig für Störvariablen sind, finden Datenerhebungen bislang nur in standardisierten Experimentaldesigns unter kontrollierten Helligkeitsbedingungen und stabiler Kopfposition statt. Zur Nutzbarmachung dieser Erkenntnisse für Alltagssituationen wurde ein mobiles Eye-Tracking-System zum Einsatz gebracht. In 2 alltagsnahen Einzelfallstudien (während einer Autofahrt und einer handwerklichen Tätigkeit) fanden sich spezifische Muster in den Pupillendaten, wenn Probanden in eine Schrecksituation versetzt wurden. Die Daten lassen die Vermutung zu, dass dieses Muster mit steigender „echter Bedrohung“ für den Organismus stärker ausgeprägt ist. Weiterführende Studien diesbezüglich sind in Vorbereitung. Gegenwärtig erfolgt die Entwicklung geeigneter Filter, mit denen sich diese Muster in Echtzeit in einem alltagstypischen Eye-Tracking-Datenstrom identifizieren lassen. Ziel ist die Entwicklung eines Algorithmus, der schreckbezogene augenphysiologische Reaktionen in Echtzeit nutzbar gestalten lässt. Dieser Algorithmus kann Anwendung in verschiedenen arbeitsbezogenen und industriellen Kontexten finden, z.B. als ergänzendes Sicherheitssystem im Umgang mit autonomen Systemen oder Mensch-Roboter-Kollaborationen sowie als ergonomische Einrichtung.

Veröffentlicht
2018-09-19
Rubrik
Leben und Arbeit verknüpfen