Multimodal Cohesion in Panel Graphs
A Pragmaticist Approach to the Gap Between Comics Grammar and Aesthetics
DOI:
https://doi.org/10.14464/zsem.v45i1-2.765Schlagworte:
Comics, Semiotik, Hermeneutik, Multimodalität, BildgrammatikAbstract
Der Aufsatz präsentiert einen Peirceschen, pragmatizistischen Ansatz zur Auflösung der Spannung zwischen zwei Theorien der Comiclektüre: Einer Gruppe, die eine grundsätzlich sprachähnliche visuelle Sprache mit entsprechenden Grammatiken voraussetzt, und einer anderen Gruppe, die auf einer freien künstlerischen Interpretation besteht, die die Beziehungen in Panelsequenzen und die Sinnstiftung in der Comiclektüre begründe. Der vorgestellte Ansatz will beide Positionen bejahen und miteinander vereinbar machen, indem er erklärt, in welchen zwei verschiedenen Sinnen Comics eine Grammatik haben und nicht haben. Er untersucht die wahrgenommene Kluft zwischen der Grammatik und der Ästhetik von Comics an einem alltäglichen Beispiel aus Amazing Spider-Man. Zwar lässt sich von einem hermeneutischen Korridor zwischen regelgebundenen und heautonomen Interpretationen sprechen. Eine Historisierung dieser Position erlaubt es jedoch, andere Theoriebildungen über die so beschriebenen Kognitionen in Betracht zu ziehen. In einer Bewegung von einer grammatischen und einer hermeneutischen zu einer allgemeineren, pragmatizistisch semiotischen Konzeption der Semiosen, mit denen Ambiguitäten und Irritationen in der Comiclektüre durch Revision bearbeitet werden, geht das Argument zu einer Betrachtung dreier Kontinua im Sinne der Peirceschen Semiotik über: fortgesetzte Semiose, ‚Präszision‘ und Abstraktion, und der Übergang von einfachen zu kreativen Abduktionen. So ergeben sich drei Schlussfolgerungen für ein letztlich multimodales Modell der Kohäsionsbildung in Panelsequenzen, das die scheinbare Kluft zwischen Grammatik und Ästhetik übergreift: Erstens lässt sich die Spezifik einer r ü c k b l i c k e n d e n E i n s t e l l u n g in der Comiclektüre beschreiben, die sich zwar mit einem hermeneutischen Korridor vergleichen lässt, aber auch andere Deutungen zulässt. Zweitens lassen sich so Annahmen über die b e w u s s t e o d e r r e f l e k t i e r t e Qualität der Comiclektüre zugunsten einer umfassend technischen Beschreibung kontinuierlicher Semiose zurückstellen. Und drittens kann der historische Kontext anderer Deutungen die Ve r m i s c h u n g konzeptuell zu trennender Distinktionen zwischen Grammatik und Ästhetik, zwischen bewusster und unreflektierter Lektüre sowie zwischen Schrift und Bild zwar motivieren, kann aber heute an Bindungskraft verlieren.
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